Haltung
Immer wieder stellt sich die Frage, ob eine gemeinsame Haltung von Meerschweinchen und (Zwerg-)Kaninchen sinnvoll ist.
Meerschweinchen sind – viel mehr noch als die Kaninchen – Rudeltiere, die sich nur in Gruppen wohlfühlen. Einzelhaltung von Meerschweinchen ist schon lange verpönt (und in der neuen Tierschutzverordnung, die nächstes Jahr in Kraft treten soll, ausdrücklich verboten). Ich kenne Kaninchenzüchter, die ihren Zuchtrammlern ein Meerschweinchen als Gesellschaft geben – das mag für das Kaninchen besser sein, als ganz alleine zu sitzen. Für das Meerschweinchen ist es aber ziemlich trostlos. Besser wäre, mehrere Meerschweinchen dazu setzen.

Aber auch bei mehreren Meerschweinchen mit mehreren Kaninchen gibt es noch Vorbehalte. Kaninchen vertragen sich mit Meerschweinchen in der Regel nur dann, wenn sie von klein auf mit ihnen zusammen gelebt haben. Zu ausgewachsenen Kaninchen einfach Meerschweinchen dazu zu setzen, kann für das Meerschweinchen tödlich enden, da manche Kaninchen ihr Revier ganz massiv gegen Eindringlinge verteidigen.
Das Gehege muss grosszügig und sehr gut strukturiert sein, damit sich die Tiere aus dem Weg gehen können, und damit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen Rechnung getragen wird.

Kaninchen sind sehr bewegungsfreudige Tiere, hoppeln hin und her, hüpfen auf Hinternisse und wieder runter und schlagen Haken – die Meerschweinchen bewegen sich zwar auch gern, sie lieben es aber, in Ruhe aus einem Versteck heraus die Lage zu beobachten, oder von Versteck zu Versteck zu huschen. Und ständig von einem Kaninchen herum gejagt zu werden, oder flüchten zu müssen vor Haken schlagenden Hinterbeinen, schätzen sie überhaupt nicht.

Eigentlich soll man nur dann beide Tierarten gemeinsam unterbringen, wenn man bereit ist, notfalls das Gehege (das dann allerdings gross genug sein muss) zu unterteilen oder ein neues aufzustellen. Die Erfahrung zeigt, dass es zwar viele Meerschweinchen und Kaninchen gibt, die ein Leben lang friedlich zusammen leben, dass es aber auch immer wieder vorkommt, dass es plötzlich nicht mehr geht. Ich bekomme regelmässig Anfragen von Leuten, was nun zu tun sei, oder Hilferufe, ob ich dieses oder jenes Tier übernehmen könne, weil sie sich nicht mehr vertragen.

Es gibt zwei grosse Konfliktpotentiale:
Erstens mal die Lautäusserungen der Meerschweinchen. Vor allem das werbende Gurren der Böcke (das oftmals auch zur Regelung der Hierarchie angewendet wird) nervt manche Kaninchen – teilweise von einem Tag auf den andern. Die Meerschweinchen werden dann gejagt und gebissen, was oft beiderseits zu wüsten Wunden führt, und oft zu nicht heilbaren Eiterabszessen. Die streitenden Tiere müssen immer sofort getrennt werden – und in der Regel versteht sich ein verprügeltes Meerschweinchen nie mehr mit Kaninchen, und ein solches Kaninchen wird beim blossen Anblick eines Meerschweinchens sofort wieder angreifen, selbst wenn es sich um völlig andere Individuen anderer Rassen oder Farben handelt.
Der zweite häufige Anlass zu Streitigkeiten ist der Sexualtrieb der Kaninchen. Unkastrierte Kaninchenrammler sehen ein Meerschweinchen (egal welchen Geschlechts) oft als Sexualobjekt an. Begreiflicherweise schätzt ein Meerschweinchen das Aufreiten zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten überhaupt nicht, und wehrt sich, worauf es wieder zu Schlägereien kommt. Häsinnen haben oft mit Hormonschwankungen zu kämpfen. Wenn sie rammlig sind, steht es mit ihrer Laune ohnehin nicht zum besten – es gibt Zibben, die dann sogar die fütternde Hand angreifen. Und wenn ihnen dann ein Meerschweinchen in die Quere kommt, wird auch dieses attackiert. Und dass die Häsin regelmässig den ganzen Stall umbuddelt und die Verstecke umkippt, ist für die Meerschweinchen auch nicht sehr angenehm.


