Kaninchen haben neben kurzen aktiven Phasen ausgedehnte Ruhephasen, ja sie verbringen den grössten Teil des Tages dösend und dies unabhängig davon, ob sie in Boxen oder im Freilauf gehalten werden.
Die unterschiedlichen Ruhepositionen zeigen uns, wie entspannt das Tier ist. Als allgemeine Regel gilt, dass das Kaninchen umso entspannter und mit der Umgebung vertrauter ist, je schwieriger es ist, aus dieser Stellung aufzuspringen und zu fliehen.
Die erste Stufe der Entspannung ist das normale Liegen auf dem Bauch, Vorder- und Hinterläufe unter den Bauch gezogen. Die Ohren sind nach vorn gerichtet.
Mit zunehmender Entspannung streckt das Tier die Hinterläufe seitwärts weg oder sogar nach hinten (Froschstellung). Wirft sich das Kaninchen schwungvoll in Seitenlage oder rollt sich sogar auf den Rücken, hat es den Gipfel des Wohlgefühls erreicht. Oftmals verdreht es dabei die Augen und lässt das Weisse hervorblitzen, was für den Kaninchenbesitzer, gelinde gesagt, beunruhigend aussieht. Eine Schrecksekunde lang glaubt man, das Tier sei tot und stürzt entsetzt herbei. Diese unerwartet heftige Reaktion lässt das Kaninchen seinerseits aufspringen. Ein leicht beleidigter Blick ist dem Kaninchenzüchter sicher, denn wer lässt sich schon gern aus angenehm dösender Stimmung reissen!
Wird das Entspannungsliegen als Sozialverhalten eingesetzt, bezeichnet man es als Kontaktliegen; die Tiere liegen dabei eng aneinander. Dies wird vor allem bei Jungtieren häufig beobachtet. Mit dem Eintreten der Geschlechtsreife gehen gleichgeschlechtliche Tiere mehr und mehr auf Distanz.
Freudensprünge und Kopfschnellen
Kaninchen haben eine wunderbare Möglichkeit zu zeigen, dass sie mit ihrem Leben rundum zufrieden sind: Freudensprünge sind ausdruckgewordenes Glücklichsein. Im Freilauf sieht man diese Verhaltensweise am häufigsten: Das Kaninchen springt in die Luft und schlenkert dabei die hintere Körperhälfte übermütig herum. Das heisst so offensichtlich „ich bin glücklich“, dass jede weitere Deutung überfüssig ist. Die etwas abgekürzte Variante des Freudensprunges ist das Kopfschnellen, das man häufig auch nach dem Misten beobachten kann, wenn das Kaninchen seinen „neuen“ Stall begutachtet. Dabei wird der Kopf in einer raschen und schnellenden Bewegung zur Seite gedreht und gleich wieder in die Ausgangsposition zurückgebracht. Auch diese Bewegung sieht verspielt und vergnügt aus und hat genau diese Bedeutung.
Manche Kaninchen haben einen ausgesprochenen Spieltrieb. So wird die frische Einstreu nach der Stallreinigung aufwendig wieder geordnet, zerknabbert und herumgezupft bis das Tier des Spiels überdrüssig geworden ist. An Ausstellungen kann man beobachten, dass ein grosser Teil der Kaninchen ihre Näpfe zum Spielen benutzen. Da werden die Gefässe aus der Aufhängung gehoben, herumbugsiert, ineinandergestapelt oder in die Höhe geworfen und fallen gelassen, wohl fasziniert vom Klappern; dabei sind die Tiere völlig in ihr Tun vertieft.

Die Schweizerschecke benutzte ihren Futternapf als Ball
und war längere Zeit so in ihr Spiel vertieft, dass sie sich
auch durch das Fotografieren nicht stören liess.
Ideales Beschäftigungs- und Spielmaterial für Kaninchen sind Tannzapfen, Haseläste, Obstschnitt, Buchen-, Tannen- und Fichtenäste. Diese werden benagt, im Stall herumgezerrt und schliesslich zu Kleinholz zerlegt. Wird ein Teil davon gefressen, kommt das der Gesundheit der Tiere zugute. Jetzt wird vielerorts Holz geschlagen, da bleiben haufenweise Äste liegen. Ein guter Grund einen Winterspaziergang in den Wald zu planen und den Tieren Knabberholz zur Beschäftigung mitzubringen.
Text und Bild: Ursula Glauser
Kaninchensprache 2